Die Chancen stehen gut!

KURS Kooperation Procar Automobile GmbH & Co. KG und Joseph-Du-Mont-Berufskolleg

Beginnen wir mit einem Perspektivwechsel und rechnen einige Fakten durch. Stelle dir vor du bist Ausbildungsleiter in einem Unternehmen und du erhältst 300 Bewerbungen für die Ausbildungsplätze in 2025. Die Sichtung einer Bewerbung dauert ca. 10 Minuten, macht in der Summe 30 Zeitstunden Arbeit insgesamt für die 300 Bewerbungen. Das sind fast zwei Wochen Arbeit, ein halber Monat. 250 Bewerbungen werden direkt aussortiert, ca. 50 werden erneut geprüft, 40 Bewerber:innen werden zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Ein Gespräch dauert ca. eine Stunde macht in der Summe 40 Stunden. Beim Gespräch sind mehrere Personen des Unternehmens anwesend, sagen wir mindestens Zwei, dann summiert sich die Arbeitszeit auf 80 Stunden. 30 + 80 Stunden Arbeitszeit investiert das Unternehmen noch vor Einstellung der Auszubildenden und danach geht die Arbeit ja erst richtig los.

Florian Kessel, Personalentwickler für die technische Berufsausbildung bei der Procar Automobile GmbH & Co. KG stellt Schüler:innen der Ausbildungsvorbereitungsklasse des Joseph-Du-Mont-Berufskollegs die Ausbildungsberufe des Unternehmens vor und spricht mit den Jugendlichen über das Bewerbungsprozedere für einen Ausbildungsplatz. Der erste Schritt ist die Bewerbung über das online-Portal. Lebenslauf und letztes Zeugnis müssen Minimum hochgeladen werden. Ein Anschreiben ist nicht mehr gefordert, das macht inzwischen jede KI sehr gut und das Copyright lässt sich nur noch schwer überprüfen. Zuerst werden die Bewerbungen mit unentschuldigten Fehlstunden aussortiert.

Das finden einige Jugendliche ungerecht, der Betrieb könne ja anrufen und dem/der Bewerber:in die Chance einräumen, sich im Gespräch zu erklären. Nur weil man unentschuldigte Fehlsunden auf dem Schulzeugnis habe, hieße das ja noch nicht, dass man im Betrieb unzuverlässig wäre. Die Gegenargument lautet, kein Ausbildungsleiter hat Zeit, die wegen unentschuldigten Fehlstunden aussortierten Bewerber:innen anzurufen bzw. telefonisch zu erreichen? Unentschuldigte Fehlstunden sind das größte Ausschlusskriterium im Bewerberverfahren, denn sie bedeuten Unzuverlässigkeit. Der Umkehrschluss für junge Menschen muss lauten:

Übernimm die Verantwortung für dein Handeln! Überlege dir einen Plan für dein Leben! Versuche nicht zu diskutieren, sondern zeige dich als Person mit deinen Stärken, Wünschen und Zielen. Für ein Unternehmen muss deutlich werden, warum du ein/e gute Mitarbeiter:in werden könntest. Die Procar Automobile GmbH & Co. KG und das Joseph-Du-Mont Berufskolleg arbeiten unter der Initiative KURS zusammen.

Die Kooperationspartner:innen haben sich im Vorfeld erarbeitet, wie sie die Jugendlichen erreichen und motivieren können. Im Dreischritt werden die Jugendlichen persönlich angesprochen  Nach der Vorstellung des Unternehmens- und des Ausbildungsangebots dürfen interessierte Jugendliche zum Bewerbungsgespräch für einen Praktikumsplatz in die nächstgelegene Filiale kommen. Sie sparen sich an dieser Stelle das online-Bewerbungsverfahren, denn bei KURS setzen die Beteiligten auf persönlichen Kontakt und Beziehung. Nach erfolgreichem Bewerbungsgespräch winkt ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum aus dem sich ein Langzeitpraktikum und eventuell sogar ein Ausbildungsvertrag entwickeln können.

Die Chance ist enorm!

Rechnen wir noch einmal hoch.

Florian Kessel war inklusive An-und Abfahrt 2 Stunden in der Schule. Die Terminplanung vorab und die Planung der Vorgehensweise hat ca. 1 Stunde in Anspruch genommen.

Bei den Bewerbungsgesprächen hat auch Katja de Pirro, Ausbildungsleiterin kaufmännische Berufsausbildung / Standortbetreuerin bei Procar Automobile teilgenommen. Das macht insgesamt 1 + 2 + 2 x 4 Stunden = 11 Stunden Arbeit dafür, dass die Jugendlichen der Ausbildungsvorbereitungsklasse ein Praktikum im Unternehmen machen dürfen, um ihr persönliches Profil zu schärfen.

Jetzt fragen wir uns vielleicht, warum die Ausbildungsverantwortlichen bei Procar so viel Zeit investieren in das Recruiting?

Die Antwort liegt auf der Hand. Katja de Pirro und Florian Kessel sind für Bewerber:innen die Türöffner ins Unternehmen und tragen die Verantwortung dafür, wen sie in das Team des Unternehmens reinlassen und einbinden können und wen eben auch nicht. Zu beachten ist an dieser Stelle auch das große Engagement von den Kolleg:innen Cynthia Schäfer und Nojan Borhanazad in der Schule, die unermüdlich Schüler:innen bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützen, die Maßnahmen mitplanen und in der Schule umsetzen.

4 von 22 Jugendlichen wurden zum Bewerbungsgespräch eingeladen. 3 von 4 haben die Chance ergriffen und das Bewerbungsgespräch gemeistert. 2 davon dürfen ins Praktikum gehen.

Bonne chance – viel Glück!