
EUSKIRCHEN. „Ein Muster zur Ansicht – damit catche ich sie“, so beschreibt Schreiner Ulrich Wolter vom Berufsbildungszentrum Euskirchen (BZE) sein Vorgehen, um die Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung „da abzuholen, wo sie mit ihren individuellen Fähigkeiten stehen.“ Wolter ergänzt: „Mein Ziel ist stets, dass die Förderschüler das fertige Werkstück zu Beginn sehen, bewundern und es auch haben wollen.“
Letzteres bedeutete jedoch mehrere Stunden motivierte handwerkliche Arbeit für jeden einzelnen der Abschlussklasse der LVR-Irena-Sendler-Schule. Fiona K., Sofia A., Lennard K. und Frederik P. machte dies nichts aus. Sie alle wollten ein eigenes aufziehbares Auto aus Holz mit Gummibädern anfertigen und es selbst designen – überglücklich, eine „so tolle Abwechslung vom Schulalltag und Theoretischen zu haben“.
Dass die Lernenden Ausdauer, Konzentration und einen freundlichen Umgang über Jahre miteinander gelernt haben, können Schulleiterin Astrid Bruns und die pädagogische Leiterin des BZE, Nadine Esser, nur bestätigen. Beide betreuen die bereits seit 2007 bestehende KURS-Lernpartnerschaft mit viel Freude.

Sechs Zeitstunden lag waren heute völlig unterschiedliche handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten gefragt, bei denen Schreiner Wolter als Experte natürlich jedem (nur) so viel half wie nötig. Zu den Tätigkeiten zählten das Anknipsen der Metallstange, das Biegen zweier Lochreihen, das Sägen und Schleifen dreier Holzstücke sowie das Bohren von Löchern mit der Ständer- bzw. Handbohrmaschine. Das Festschrauben der Metalllochreihe und Anbringen des Gummis bildete den Abschluss der Arbeit.
Letztlich malten die motivierten Förderschüler ihre Holzfahrzeuge nicht nur an, sondern gaben diesen auch Namen – von „Dragon“ bis hin zum „schnellen Flitzer“. Schnell sollten die fertigen Werkstücke nämlich auch werden, denn der Schreiner hatte ein „großes Abschlussrennen“ versprochen, um zu schauen, welches Fahrzeug das schnellste sein würde.
Bei einer Wettfahrt blieb es bei Weitem nicht, denn der Spaß war zu groß, um die mühevoll gebauten Autos nicht häufiger gegeneinander fahren zu lassen. Frederik berichtete abschließend: „Eins ist sicher: Erstmal behalte ich meinen Flitzer und Ostern schenke ich ihn meinem Opa, der auch mal Schreiner war.“
Für Lennard wird das Arbeiten mit Holz perspektivisch sogar zum Beruf: Er wird nach dem Abschluss im Sommer im QuBi Eifel (Qualifizierungs- und Bildungszentrum Mechernich) im Bereich Holzbearbeitung weiter gefördert. Bereits heute konnte er alle absolvierten Arbeitsschritte mühelos erklären.


