Drei Formen von Demenz: Wissenswertes und Authentisches aus dem Leben mit Erkrankten Expertenbesuch im Biologiekurs

Bad Münstereifel: Was würdest du machen, wenn du zunehmend deine Sachen verlegst und dich nicht mehr erinnerst, wohin du den Schlüssel legtest?“ Petra Swindt, Freizeitpädagogin im Bad Münstereifeler „Marienheim“, entlockte den wissbegierigen Neuntklässlern die zwei Haupthandlungen bei Alzheimer-Demenz: „Man schiebt die Schuld auf andere: Du hast mir die Schlüssel geklaut“ oder „man versteckt sich, weil man merkt, dass etwas nicht stimmt.“

Die Realschüler:innen und Lehrerin Claudia Zapp waren schnell gedanklich im Thema, über welches kaum jemand sprechen mag und hingen an Swindts Lippen, als sie erzählte, wie sie selber den Alltag mit Demenzkranken erlebt, versucht zu meistern, welche unterschiedlichen Formen es eigentlich gibt und inwiefern die Krankheit voranschreitet.

Die Realschüler:innen sind noch jung, aber einige berichteten selber von betroffenen Großeltern und ersten Erfahrungen mit der Krankheit. Alle aber hängen an den Lippen der Zuständigen für die Sozial-Kulturelle-Betreuung im örtlichen Seniorenheim, als die Frage aufkam: „Kann man eigentlich auch schon im jungen Alter Alzheimer bekommen?“ und Petra Swindt diese mit einem deutlichen „ja, leider“ beantworten musste und den zusätzlichen Hinweis hinzufügte: „…und dann geht es leider sehr schnell, während die Eiweißablagerungen, die zum Absterben von Gehirnzellen und Gedächtnisverlust führen, bei älteren Menschen oft langsam voranschreiten.

Dieser jedoch“ und das war für fast alle Jugendlichen neu, „ist nur punktuell. Die Menschen vergessen nicht, dass sie einen Ehepartner hatten und es handelt sich um gestandene Leute, die möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollten und mit Respekt zu behandeln sind, auch wenn sie aktuell gerade den Weg in den Essensraum nicht mehr finden.“

Ebenso erstaunt waren die Jugendlichen über die bejahende Antwort auf ihre Frage:

„Kommen eigentlich auch schon einmal Seniorenhausbewohner weg, also finden die nicht mehr zurück?“

Petra Swind fügt jedoch mit einem Schmunzeln hinzu, dass es sich um großes Glück handle, dass Bad Münstereifel inmitten der Stadtmauern beschaulich klein ist und Geschäftsleute, Mitarbeiter aus Cafés meist schon wissen, wo sie anrufen müssen und nachfragen, ob vielleicht eine seit Stunden dort verweilende Dame vermisst wird.

Im Rahmen des Expertenbesuchs wurde den jungen Biologinnen und Biologen aber auch noch einmal aus erster Hand verdeutlicht: Es gibt nicht nur die Alzheimer-Demenz, sondern viele weitere Formen. Über die Vaskuläre Demenz und die einhergehende Verlangsamung, welche lediglich bedeute den Menschen Zeit zu geben, sowie über die Frontotemporale Demenz, an der einige wenige der 86 Bewohner:innen zwischen 74 und 103 Jahren erkrankt sind, berichtete Swindt schülernah, obwohl sie das erste Mal vor einer Schulklasse in der Schule stand: „Was passiert, wenn euer Regisseur in der Stirn Front nicht mehr funktioniert: „Jemanden begrüßen, leise sein in manchen Situationen, mit Gabel und Messer essen…?“

Letztlich gab es noch Tipps zur Erkennung eines Schlaganfalls und diese besondere Biologie-Doppelstunde ging viel zu schnell zu Ende, was zur Folge hat, dass Claudia Zapp überlegt, ein weiteres Projekt zum Thema gemeinsam mit Petra Swindt zu planen, welches dann zusammen beim KURS-Lernpartner mit den Senioren durchgeführt werden soll.

Lucy B. (Klasse 9b) und Anna G (Klasse 9a) kamen zum gleichen Fazit wie Zapp: „Authentisch und spannend war es, aus erster Hand und so persönlich diese komplizierte Erkrankung erklärt zu bekommen. Wir konnten uns richtig hineinversetzen in das Arbeiten mit Demenzerkrankten durch diesen Expertenbesuch und Frau Swindt hat alles so persönlich geschildert.“