Was hat ein Gymnasium mit einem Seniorenhaus zu tun? Eine ganze Menge – das zeigte kürzlich ein besonderer Besuch am Erich Kästner-Gymnasium in Köln-Niehl. Vertreterinnen des Cellitinnen-Seniorenhauses St. Maria, KURS-Kooperationspartner der Schule seit 2019, kamen persönlich vorbei, um mit den Religions- und Philosophiegruppen der Jahrgangsstufe 11 ins Gespräch zu kommen.
Ziel war es, berufliche Perspektiven jenseits klassischer Vorstellungen aufzuzeigen – Berufe, die mit Altern, Verantwortung und Menschlichkeit zu tun haben. Die Gäste aus der Pflegepraxis gaben den Jugendlichen einen lebendigen, authentischen Einblick in ihre tägliche Arbeit.
Auf den ersten Blick wirkt ein Seniorenhaus als Arbeitsplatz vielleicht ungewöhnlich für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Doch dieser Eindruck täuscht: Laut einer Erhebung der Industrie- und Handelskammer Köln vom November 2024 ist die Stiftung der Cellitinnen nach Rewe und FORD der drittgrößte Arbeitgeber im IHK-Bezirk. Die beruflichen Möglichkeiten sind dabei ebenso vielfältig wie sinnvoll.
So bietet die Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria nicht nur Ausbildungsplätze für Pflege- und Betreuungskräfte, sondern auch für Alltagsbegleiterinnen, Küchenleitungen, Servicepersonal sowie Kaufleute im Gesundheitswesen und im Büromanagement. Auch Hochschulabsolventinnen finden hier Einstiegsmöglichkeiten – etwa im Personalmanagement oder in der Qualitätssicherung.
Ein echtes Berufsspektrum mit Sinn – oder wie es die Gäste selbst nannten: ein „bunter Blumenstrauß“ an Chancen in einem gesellschaftlich relevanten Arbeitsfeld.
Katharina Riedesel-Schneider (Koordinatorin Wohnbereichsservice), Nora Lier (Koordinatorin sozialkultureller Bereich), Schwester Anita (Seelsorge, Mitarbeiterin am Empfang und in der Verwaltung) sowie Esther Heumüller (Qualitätsbeauftragte Pflege und sozialkultureller Bereich ) berichteten aus erster Hand von ihrem Berufsalltag. Offen, engagiert und nahbar beantworteten sie die vielen Fragen der Jugendlichen.
Dabei wurde klar: Pflegeberufe sind weit mehr als reine Dienstleistung – sie sind Beziehungsarbeit. Wer mit älteren Menschen arbeitet, begegnet nicht nur alltäglichen Aufgaben, sondern auch tiefen menschlichen Momenten – Krankheit, Abschied, Tod. Fachwissen allein reicht da nicht. Es braucht Haltung, Empathie, kulturelle Sensibilität – und echte Wertschätzung für den Menschen hinter dem Patienten.
Gerade im Zeichen des demographischen Wandels wird deutlich: Diese Berufe haben Zukunft. Umso wichtiger ist es, Jugendlichen verschiedene Perspektiven aufzuzeigen – auch auf sinnstiftende Arbeit, auf Verantwortung, auf Menschlichkeit im Beruf.
