
KÖLN. Rainer Siewert, Betreiber und Direktor des Hotel Stadtpalais in Köln-Deutz, hatte Jugendliche der Klasse 9 der Trude-Herr-Gesamtschule eingeladen, sich einer besonderen Herausforderung zu stellen: einen saftigen Burger mit Messer und Gabel zu essen.
Auf dem heutigen Programm stand ein Benimmkurs frei nach dem 1788 erschienenen Werk des Freiherrn von Knigge – einer Aufklärungsschrift über Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang mit Menschen unterschiedlicher Generationen, Berufe und Charaktere.
Rainer Siewert erklärte den Schüler:innen, worauf er als Unternehmer aus Hotellerie und Gastronomie bei Bewerbungen für Praktika und Ausbildungsplätze achte und welche Rückschlüsse er aus den eingereichten Unterlagen auf Bewerber:innen ziehen könne.
Was ist ihm wichtig? Worauf achtet er besonders? Welche Fragen stellt er sich beim Lesen einer Bewerbung?
Schritt für Schritt setzte er Inhalt und Erscheinungsbild einer Bewerbungsmappe mit der möglichen Persönlichkeit einer Person in Beziehung. Eine ansprechende und saubere Bewerbungsmappe, die sachlich, fehlerfrei und höflich formuliert ist, könne auf jemanden hindeuten, der sich auch im Umgang mit Menschen entsprechend verhält.
Auch Interessen und Hobbys sagten viel über eine Person aus: Fußball deute auf Team- und Kommunikationsfähigkeit hin, Laufsport auf Belastbarkeit und Resilienz, Einzelsportarten eher auf Eigeninitiative und Selbstständigkeit. Unentschuldigte Fehlstunden machten dagegen skeptisch und ließen auf Unzuverlässigkeit schließen. Eine Fünf in Sport könne als mangelnde Motivation interpretiert werden.
Die entscheidenden zwischenmenschlichen Kompetenzen – sogenannte Soft Skills – reichten von Empathie über Kommunikationsfähigkeit bis hin zu Stressresistenz. Selbstverständlich werde der erste schriftliche Eindruck im Vorstellungsgespräch überprüft, bestätigt oder gegebenenfalls revidiert. Wichtig sei für die Schüler:innen vor allem die Erkenntnis, sich frühzeitig bewusst zu machen, wie sie öffentlich wahrgenommen werden möchten.
Eine kurze Schulung in klassischen Serviceregeln rundete das Knigge-Training ab. Das Besteck wurde in der Reihenfolge der Gänge von außen nach innen eingedeckt, die Stoffserviette liegt auf dem Schoß, und das Trinkglas für das Hauptgericht steht genau über der Messerspitze des Hauptgangmessers. Tischmanieren nach den Knigge-Regeln dienten nicht der Schikane, sondern sollen dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen und entspannt miteinander umgehen können.
Rainer Siewerts Botschaft an die Jugendlichen lautete: „Wenn man die Regeln kennt und weiß, wie man sich in unterschiedlichen Situationen verhält, fühlt man sich wohler und sicherer. Das gilt für die eigene Bewerbung genauso wie für ein Praktikum und den Umgang mit anderen Menschen – in der Gesellschaft, im Beruf und in der Freizeit.“
Sicherheit im Umgang mit Mitmenschen ermögliche es, Erfahrungen und Situationen kritisch zu hinterfragen.
Das Feedback der Gruppe fiel sehr positiv aus. Der Workshop sei eine tolle Erfahrung gewesen, die Serviceregeln informativ und hilfreich.
Zwei Schüler haben erst kürzlich ihr dreiwöchiges Praktikum im Hotel Stadtpalais absolviert. Sie dankten Rainer Siewert für die Zeit, die er sich für die Schüler:innen genommen hatte. Möglich sei das auch deshalb, weil er ein zuverlässiges Team von Mitarbeitenden an seiner Seite wisse.
Das Hotel Stadtpalais und die Trude-Herr-Gesamtschule sind seit 2020 Kooperationspartner unter dem Dach der Bildungsinitiative KURS.


