
BAD MÜNSTEREIFEL. Die Städtische Realschule Bad Münstereifel und das Cellitinnen Seniorenhaus Marienheim zeigen, wie Inklusion der Generationen gelingen kann. Mit sechs KURS-Kooperationsbausteinen ist die Lernpartnerschaft fest im Schul- und Heimalltag verankert, sorgt für strahlende Gesichter auf beiden Seiten.
1. Jung trifft Alt: Wöchentliche Begegnungen
Jede Woche besuchen Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 unter der Leitung von Lehrerin Anita Backes das Marienheim. Ob bei gemeinsamen Spaziergängen oder spannenden Spielrunden „Mensch ärgere dich nicht“ und Rummikub – der sozial-kulturelle Bereich des Seniorenhauses wird durch die Jugendlichen bereichert. Wie wichtig diese Termine sind, zeigte sich nach einer Pause durch die Osterferien und Praktika. „Wir haben so viel zusammen gelacht und waren richtig traurig, dass die Jugendlichen sieben Wochen nicht kommen konnten“, erzählte eine Bewohnerin freudig bei der Rückkehr der Schüler.
2. Experten im Unterricht: Thema Demenz
Authentizität steht im Biologieunterricht an erster Stelle. Einmal im Jahr besucht Petra Swindt, Mitarbeiterin des Marienheims, den Biologieunterricht der Klasse 8. Sie berichtet den Schülerinnen und Schülern lebendig über das Thema Demenz und gibt wertvolle Einblicke in das vielschichtige Krankheitsbild und den Umgang mit Betroffenen.
3. Generationenübergreifender Handarbeitskurs
Ein weiteres Highlight ist die Integration einer Bewohnerin in den schulischen ISF-Kurs „Handarbeit“. Einmal pro Woche unterstützt sie Lehrerin Martina Rückels und zeigt den Jugendlichen, wie man richtig strickt, häkelt und näht. Ein Geben und Nehmen, bei dem die handwerkliche Erfahrung der Seniorin auf die Neugier der Jüngeren trifft.
4. Berufliche Orientierung und Praxisnähe
Das Marienheim engagiert sich stark in der Berufsvorbereitung der Realschule. Dr. Stefanie Kump, Konrektorin und Berufswahlkoordinatorin, organisiert mit viel Engagement den Berufe-Parcours und die schuleigene Jobbörse. Petra Swindt kreiert einladende Aufgaben für die Berufsfelder „Pflege“ und „Koch (m/w/d)“. Alle Neuntklässler rotieren beim Berufeparcours und schnuppern somit gleich in zwei wichtige Ausbildungsberufe, welche der Lernpartner anbietet. Besonders beliebt ist das Mitmachangebot „Etwas Leckeres für uns“ am nachfolgenden Praxistag, für das sich interessierte Realschüler auf der Jobbörse anmelden können.
5. Erfolg bei Praktika und Freiwilligem Sozialen Jahr
Die erst zwei Jahre andauernde KURS-Kooperation trägt bereits Früchte: In diesem Jahr absolvierten gleich zwei Schüler der Jahrgangsstufe 9 ihr dreiwöchiges Betriebspraktikum im Marienheim. Besonders erfreulich: Letzten Sommer entschied sich eine Absolventin der Realschule für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Haus und unterstützt das Team nun täglich.
6. Austausch auf Augenhöhe
KURS-Koordinatorin Vanessa Rauch konnte sich vor Ort von der hervorragenden Zusammenarbeit und herzlichen Atmosphäre überzeugen. Die 15-jährigen Schülerinnen Malia v. O. und Maria S. (beide Klasse 9a) berichteten begeistert: „Es macht einfach Freude, mit den Seniorinnen auch über frühere Zeiten zu quatschen und sich über das Leben auszutauschen. Wir erfahren viel über das Leben im Heim, backen, feiern zusammen und die Bewohner interessieren sich ehrlich für unseren Schulalltag.“ Dies konnte die 85-jährige Marie-Luise N. nur bestätigen. Sie findet, dass die Jugendlichen den Alltag bereichern und das die KURS-Kooperation ein echtes Vorzeigeprojekt in der Region ist.


