Ein echtes Highlight: Rübenernte live auf dem Feld erleben

Euskirchen 1400 Rübenbauern gab es noch vor 20 Jahren in der Region. Aufgrund der Spezialisierung und Vergrößerungen der Betriebe, sind es aktuell noch ca. 600, die die wertvollen Zuckerfrüchte für die Pfeifer und Langen GmbH & Co.KG anbauen. Bei der Ernte in Müddersheim (Gemeinde Vettweiß) durften die Achtklässler:innen des Fit-for-life-Kurses „Pfeifer & Langen“ live dabei sein mit Lehrerin Vanessa Friedrichs. Die zwölf Jugendlichen waren eigens mit Firmenautos vom Euskirchener Werk hinaus auf die Felder gefahren worden, welche an diesem Novembertag abgeerntet wurden, denn aktuell ist die Haupterntezeit, um viel Zuckerertrag zu erhalten. „Wer allerdings schon freiwillig im September startet, erhält eine finanzielle Entschädigung“, erklärte die Agrarwissenschaftlerin. Sie ist auch für die Bestimmung des Zuckergehaltes zuständig und maß mit den jungen Besuchern der Gesamtschule, dass der Zuckergehalt der Müddersheimer Rüben 17% betrage – mehr wäre besser, aber wetterbedingt müssen alle Mitarbeiter:innen rund um die Zuckerrübenernte doch zufrieden sein.

 

Maxim Sch. (8d) möchte wissen, wie viele Pflanzen überhaupt pro Hektar geerntet werden. Die Antwort erhält er vom Studenten der Agrarwissenschaften. Auch er fährt auf die Felder und prüft, nimmt Proben und entscheidet mit, wer wann ernten darf für den bestmöglichen Ertrag: 90 000 Pflanzen pro Hektar übrigens sind es optimalerweise!

Noch mehr erstaunte die wissbegierigen Gesamtschüler:innen, die von ihrer Lehrerin Friedrichs schon viel über die Zuckerproduktion und den KURS-Lernpartner erfahren haben in den letzten Wochen, dass eine einzige Rübenpflanze bis zu drei Meter lange Wurzeln hat, was in Trockenphasen natürlich besonders positiv ist.

Einige Jungs interessierten sich im Besonderen für den Rübenroder, die Erntemaschine, welche eine halbe Millionen Euro kostet und von den Rübenbauern zur Ernte ausgeliehen wird, um damit im „Hundegang“ (leicht schief) und mit gemäßigtem Druck auf dem kostbaren Ackerboden zu ernten, bevor sie dann gegen Resistenzen und insektenfördernd als Zwischenfrucht Ölrettich aussähen.

 

Die engagierte Agrarwissenschaftlerin und Leni S. (Klasse 8c) untersuchten zusammen eine besonders große Rübe genauer. Leni wunderte sich über das Gewicht, was laut der Expertin aber gar nicht gewollt ist, denn dann sei die Frucht weniger geschmackvoll und erhalte folglich weniger Zucker.

Es gibt aber noch ein größeres Problem, so erfahren die jungen Pfeifer und Langen-Besucher:

Schädlinge und Pilzkrankheiten. Besonders die Zikaden aus dem Süden machen aktuell Probleme. Blätter haben braun-gelbe Stellen, der Zuckergehalt ist niedriger (SBR Sydrom), Rüben verfaulen…

Mike L. (8d) kann die Folgen des Klimawandels direkt unter der Lupe erkennen und identifiziert eine Pilzkrankheit auf einem Rübenblatt.

 Er, seine elf Mitschüler:innen und Vanessa Friedrichs sind begeistert, dass ihr KURS-Kooperationspartner ihnen einen solch authentischen Einblick ermöglicht hat. Ein echter Mehrwert für das Wahlpflichtfachfach?

„Auf jeden Fall“, resümiert Lehrerin Friedrichs. „Wir haben im Unterricht Broschüren studiert, Reportagen gesehen, aber hier live bei der Ernte dabei sein zu dürfen, eine Rübe in den Händen halten zu können und sich dann darüber klar zu werden, was für ein Aufwand und wie viel Arbeit dahinter steckt, bis die Rübe zum Zucker verarbeitet und abgefüllt ist – unglaublich! Und dafür ist der Preis für ein Kilogramm ja letztlich viel zu günstig, oder nicht?“