Wirtschaftsstandort Aachen sichern

Rosi Jaax vom KURS-Zentralbüro in Köln sprach mit Heinz Gehlen, Geschäftsführer Bildung bei der Industrie- und Handelskammer Aachen, über sein Engagement im Rahmen von KURS Köln.

R.J.: Warum engagiert sich die IHK Aachen in der Initiative KURS?

Heinz Gehlen: Unsere Unternehmen beklagten eine unzureichende Vorbereitung der Schulabsolventen auf Ausbildung und Beruf. Zudem waren den Schülern nur eine Handvoll Berufe bekannt. Klagen allein ist jedoch wenig hilfreich. Erforderlich war es die Unternehmen selbst für die Verbesserung der schullischen Ausgangsbedingungen zu gewinnen, d. h. mehr Praxis in die Schule zu bringen. Mit dieser Entwicklung einher ging die Initiative der Landesregierung, die zunehmend die „Öffnung von Schule“ forderte. Lernpartnerschaften sind eine gute Möglichkeit, um Arbeitswirklichkeit in die Schule hineinzutragen.

R.J.: Wie bewerten Sie die bisherigen Ergebnisse der Initiative in Bereich der IHK Aachen?

Heinz Gehlen: Seit wir mit dem Projekt KURS 1999 gestartet sind, hat sich die Kluft zwischen Schulen und Betrieb deutlich verringert. Zu Beginn standen viele Schulen, viele Lehrer der Wirtschaft noch mit sehr viel Skepsis gegenüber. Das ist heute anders. Heute ist eine regelmäßige Zusammenarbeit für viele in unserer Region schon selbstverständlich geworden. Es ist nicht mehr umstritten, wenn eine Schule betont, dass sie intensiv mit benachbarten Betrieben zusammenarbeitet und ihren Unterricht stärker auf die Erfordernisse der Praxis ausrichtet.

R.J.: Soll KURS weiter in die Fläche gebracht werden oder favorisieren Sie für eine Verbesserung des Betreuungsangebots)

Heinz Gehlen: Wir haben jahrelang vornehmlich auf Quanität gesetzt, dies muss jetzt stärker in Qualität umgewandelt werden. Dazu haben wir Geld in die Hand genommen, um mit einem Newsletter und der Verbesserung der Homepage die Kommunikation und den Austausch innerhalb des Netzwerks anzuregen und zu verbessern. Auch die Ausrichtung Regionaler KURS-Netzwerktreffen soll den Austausch unterstützen und Anstösse zur qualitativen Entwicklung der Lernparternschaften geben.

R.J.: Sehen einen Unterschied im Zulauf zur Initiative zwischen Stadt und Land?

Heinz Gehlen: Nein, nicht wirklich. Schülerinnen und Schüler verschaffen sich in der Begegnung mit Unternehmen vor Ort konkrete Einblicke in Wirtschaft und Arbeitswelt und fragen nach ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten wirtschaftlichen Handelns. Sowohl in der Stadt wie auf dem Land ist es erforderlich, dass die Schülerinnen und Schüler sich intensiv und frühzeitig mit Fragen der Berufswahl auseinandersetzen und ihre Talente, Fähigkeiten und Neigungen in der Praxis testen. Mit Unterstützung der Betriebe können Schulen ihre Schülerinnen und Schüler besser auf die Anforderungen in Ausbildung und Studium vorbereitet werden.

R.J.: Was sind Ihre Wünsche für die Initiative?

Heinz Gehlen: Um unseren Wirtschaftsstandort zu sichern und dem zu erwartenden Nachwuchskräftemangel in vielen Branchen entgegenzutreten, brauchen wir viele engagierte Kräfte in Schulen und Unternehmen. Daher wünschen wir uns noch mehr Beteiligung von Schulen und Betrieben an unserer Initiatiative KURS.