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Schulwissen handfest gemacht – Schulen und Unternehmen aus dem Regierungsbezirk Köln zeigten beim KURS-Forum im Leverkusener Forum Ergebnisse aus 19 Lernpartnerschaften

8.9.2006. KURS-Zentralbüro.

„Wie kommt das Fleisch frisch auf den Tisch? Welche Logistikkette muss ein Lebensmittel-Handelsunternehmen – von der Erzeugung über die Bearbeitung bis hin zum Verkauf – dafür vorhalten? Welche Qualitätsstandards gelten und wie sehen überhaupt die Wünsche und Anforderungen der Kunden aus? Und was folgt daraus für das Marketing?“ Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten die etwa 300 Besucher des Austauschforums der Bildungsinitiative KURS im Regierungsbezirk Köln am 4. September im Forum Leverkusen.

Handelsbeziehungen, Statistik, Fragetechniken – was im Schulunterricht als Lernstoff häufig bloße Theorie bleibt, lernten 17 Schülerinnen und Schüler eines Erdkunde-Kurses des Lise-Meitner-Gymnasiums Leverkusen im Praxistest beim Metro-SB-Markt Leverkusen. Das zunächst noch abstrakte Thema „Globalisierung des Nahrungsmittelangebots“ wurde für die jungen Leute mit Hilfe des Leverkusener Marktes und seiner Geschäftspartner damit ganz konkret. „Durch unsere mittlerweile drei Kooperationen mit Unternehmen vor Ort hat auch die Berufsorientierung für unsere Schülerinnen und Schüler eine besondere Qualität bekommen: Betriebserkundungen, Bewerbungstrainings, Informationen über Berufsbilder – und das alles aus erster Hand – sind wichtige Erfahrungen und Entscheidungshilfen“, so Schulleiter Dr. Manfred Pulm, Die Lernpartnerschaft des Leverkusener Metro-SB-Marktes und des Lise-Meitner- Gymnasiums ist nur eine von insgesamt 150 KURS-Kooperationsprojekten im Regierungs- bezirk Köln. 20 stellten sich am 4. September 2006 im Leverkusener Forum einer breiten Öffentlichkeit vor. Die Wirtschaft in die Schulen zu bringen und die Schulen in die Wirtschaft – das ist das Ziel der Lernpartnerschaften von KURS. Das Projekt „Kooperation Unternehmen der Region und Schule“, eine Gemeinschaftsinitiative der Bezirksregierung Köln, der IHKs Köln, Aachen, Bonn/Rhein-Sieg sowie der Handwerkskammer Köln, trägt dazu bei, dass der Unternehmensalltag für junge Leute erfahrbar wird und dass Unternehmen frühzeitig den Kontakt zum Nachwuchs von morgen finden können. Das ist auch das Anliegen von?) Peter Heßelmann, Leverkusener Marktleiter der Metro Chash & Carry Deutschland GmbH: „Es ist toll, wie engagiert die Schule und die Schüler sich in unseren Projekten beteiligen. Für uns als Unternehmen bietet die Kooperation eine hervorragende Chance, engagierte Schülerinnen und Schüler für die Ausbildung in unserem Hause zu gewinnen.“

„Wir wünschen uns, dass viele weitere Unternehmen und Schulen solche Lernpartnerschaften eingehen“, unterstrich gestern Dr. Gerald Püchel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und dort verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung. Entscheidend sei dabei, dass die Ausrichtung von Schule und Unternehmen zueinander passe. Die Größe eines Unternehmens sei dabei kein Hinderungsgrund: Auch Klein- und Kleinstbetriebe könnten sich beispielsweise in Pools als Partner für Schulen engagieren.Auch und gerade Handwerksunternehmen können durch KURS profitieren, zeigt sich Clemens Urbanek, Hauptabteilungsleiter Bildung der Handwerkskammer Köln überzeugt: „Von 180 Ausbildungsberufen im Handwerk sind nur etwa zehn bei den Schülern bekannt. Darüber hinaus haben die wenigsten jungen Leute realistische Vorstellungen von diesen Berufen. Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Handwerk sind deshalb eine große Chance für uns, dass wir auch in Zukunft die qualifizierten Facharbeiter haben werden, die wir so dringend benötigen.“

Ute März, Inhaberin eines Maler- und Lackierbetriebes in Schleiden, sieht ihr Engagement im Rahmen einer KURS-Partnerschaft mit der Gemeinschaftshauptschule Schleiden ebenfalls als lohnende Investition in die Zukunft ihres Betriebes und die der jungen Leute: „Seit 17 Jahren bildet mein Betrieb im Malerhandwerk aus. In den letzten Jahren wurde der theoretische Teil der Gesellenprüfung für immer mehr Auszubildende zu einem Problem. Mit der Lernpartnerschaft möchte ich die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen an eine Ausbildung im Handwerk vorbereiten.“ Und das macht sie so: Beim Projekt vom „Auftrag bis zur Ausführung“ bekommen die Jugendlichen der Klasse 9 den Auftrag, einen Raum in der Schule künstlerisch zu gestalten. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler ganz konkret, dass es ohne Mathematik eben nicht geht: Unter Leitung der Fachfrau wird nicht nur das Material ausgewählt, sondern auch der Materialverbrauch bestimmt und die Kosten berechnet. Von der Zusammenarbeit profitierte auch eine Schulabgängerin der Hauptschulen die seit August bei Malermeisterin Ute März eine Ausbildung absolviert.

Schulleiterin Ingrid Wiertz sieht in dem Engagement der Unternehmerin einen ganz realen Gewinn für die jungen Leute: „Durch unsere Kooperationen mit den Betrieben können wir unseren Schülerinnen und Schülern eine berufliche Grundbildung mit auf den Weg geben, wenn sie die Schule verlassen. Damit können sie ihre Chancen auf dem gerade für Hauptschüler immer schwieriger werdenden Ausbildungsmarkt deutlich verbessern.“

Auch die Zusammenarbeit des Straßenbauunternehmens STAWAG AG mit der Gemeinschaftshauptschule Düren Gürzenich hat sich dem Ziel verschrieben, Schüler stärker mit der Arbeitsfeld zu verbinden und gemeinsam anwendungsorientierteren Unterricht, derzeit noch beschränkt auf das Fach Mathematik, anzubieten. „Mit nahezu 160 Lernpartnerschaften ist der Regierungsbezirk Köln Vorreiter in der Bundesrepublik“, freut sich Johannes Stegerhütte von der Bezirksregierung Köln, bei deren 12 Schulämtern die KURS-Basisbüros angesiedelt sind, die Lernpartner aus Unternehmen und Schulen zusammenführen und in ihrer Entwicklung begleiten.. „Die durch die Globalisierung zunehmend unter Druck geratene Arbeitswelt braucht eine praxisnähere schulische Bildung. Wirtschafts- und Arbeitswelt in den Unterricht einzubeziehen und diesen stärker an den Anforderungen der Praxis zu orientieren, ist deshalb ein zukunftsweisendes Projekt. Die Bildungsinitiative KURS stärkt die Region und macht uns konkurrenzfähiger.“

Mittel und Wege, die Wirtschaft in die Schulen zu bringen und die Schulen in die Wirtschaft, gibt es viele – das machte das KURS-Forum 2006 in Leverkusen deutlich: Das Spektrum war mit Themen wie „Von der Mathematik auf der Baustelle“ über „Schuldenfalle Handy“ oder „Banken – Fluch oder Segen?“ und „Kunstobjekte aus PVC-Rohren“ bis hin zu „Globalisierung – Welten wachsen zusammen, am Beispiel des Unternehmens Mauser“ breit gefächert. „Die Arbeit von KURS und aller Beteiligten ist ein Beitrag zur Standortsicherung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen“, so die Projektleiterin von KURS im Regierungsbezirk Köln, Rosi Jaax. „Die Ergebnisse belegen: In der Schule erworbenes Wissen wird in der Zusammenarbeit mit dem Unternehmenspartner vom Kopf auf die Füße gestellt – aus theoretischem Wissen wird praktisches, nämlich Erfahrungswissen“.

Hiervon profitieren beide Partner , Schule und Unternehmen, gleichmaßen wie auch die Lernpartner MFT-Maschinenbau- und Fertigung GmbH und GHS Mechernich erfahren haben, die mit aus der Kooperation gewonnenen Azubis an ihrem Messestand vertreten waren.

Die Aachener Region war auf dem KURS-Forum auch durch die Lernpartner STAWAG AG und Heinrich-Heine-Gesamtschule (s. Foto unten) sowie die Raiffeisenbank Heinsberg & die Gemeinschaftshauptschule Haaren (Waldfeucht) sowie die Visteon GmbH & die Dürener Realschule Nord vertreten.

Das KURS-Konzept wurde Mitte der 90er Jahre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt und 1999 von den IHKs Aachen, Bonn und Köln übernommen. Seit 2003 ist die Bezirksregierung, seit 2005 die Handwerkskammer Köln mit im Boot.

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