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Die erste Lernpartnerschaft in Kooperation mit dem Schulamt Euskirchen tritt an die Öffentlichkeit: Malerbetrieb März und Hauptschule Schleiden konsolidieren ihre Zusammenarbeit auf der Plattform KURS

30.3.2004. Kreis Euskirchen.

Mit einer Vereinbarung auf der Plattform KURS festigten die Schleidener Hauptschule und Malermeisterin Ute März ihre langjährige Kooperation. „Dies ist ein Partner, dem wir durch einzelne Aktivitäten und Praktika seit Jahren verbunden sind und der wirklich zu uns passt“, erklärten Schulleiter Heinz Wolfgarten und seine Stellvertreterin Ingrid Wiertz anlässlich der feierlichen Ratifizierung am 30. März, an der zahlreiche Gästen aus dem kommunalen Umfeld teilnahmen.

Die Hauptschule Schleiden bietet als einzige Schule im Kreis Euskirchen einen fest im Stundenplan verankerten Berufswahlunterrichtstag an. Jeden Mittwoch finden in der Zeit von 10 bis 13:30 Uhr Projekte zum Thema Berufswelt statt. Seit November 2002 steht die Hauptschule Schleiden bereits in einem engen Kooperationsverhältnis zu der VR-Bank Nordeifel eG. Im Rahmen dieses Berufsorientierungstages ist die Kooperation zwischen der Schule und Malermeisterin Ute März angesiedelt. „Hiermit verfügt unsere Schule nun auch über eine wichtige Partnerin aus dem Handwerk„ die unseren Schülerinnen und Schülern neben dem Zugang zu Berufswelt und beruflichem Alltag auch für eine Reihe von Fächern eine praktische Anbindung geben kann“, formulierte die stellvertretende Schulleiterin Ingrid Wiertz die Chancen einer systematischen Kooperation mit dem Handwerksbetrieb März. Das Projekt „Vom Auftrag bis zur Ausführung“ wendet sich an Schüler des Jahrgangs 9. Sie erhalten den Auftrag, ein Objekt (Klasse, Fachraum, Säulen etc.) künstlerisch zu gestalten. Vor der praktischen Ausführung wird unter Leitung der Fachfrau das entsprechende Material ausgesucht, der Materialverbrauch bestimmt und die Kosten dafür berechnet.

Malermeisterin Ute März bewertete die Möglichkeiten der Lernpartnerschaft auf dem Hintergrund langjähriger Praxis: „Seit nun 15 Jahren bildet mein Betrieb im Malerhandwerk aus. In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass der theoretische Teil der Gesellenprüfung immer mehr zu einem Problem für die Auszubildenden wird. Mit der Lernpartnerschaft möchte ich die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen an eine Ausbildung im Handwerk vorbereiten. Dies soll nicht nur für die Theorie, sondern auch für den Bereich der Schlüsselqualifikationen gelten.“ Sie möchte jungen Menschen das zukunftsorientierte Berufsbild des Handwerkers vermitteln. Der Beruf des Malers könne als ein Sprungbrett genutzt werden für Studium, z. B. für technische Berufe in der Lackindustrie, in Forschung und Entwicklung.

Schulamtsdirektor Karl Schiffer setzt große Erwartungen in die Partnerschaft: „Mit dem Konzept der ,Öffnung von Schule‘ sowie der KURS-Initiative in Kooperation mit der Bezirksregierung Köln haben wir einen weiteren Schritt getan, der Schule einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft zu geben, direkt verknüpft mit den gesellschaftlich relevanten Gruppen, mit verschiedensten Organisationen und Verbänden und natürlich auch den Unternehmen der Region.“

Bürgermeister Christoph Lorbach bekräftigte: „Die Kooperation zwischen Ute März und der Hauptschule Schleiden wird von Seiten des Schulträgers aufgrund der hier stattfindenden frühzeitigen Verzahnung von Schule und Berufsleben sehr begrüßt.“

Rosi Jaax, Projektleiterin KURS im Regierungsbezirk Köln, verwies in diesem Rahmen auf die neue Struktur, die zur Zeit in Zusammenarbeit der IHKs und der Bezirksregierung Köln entwickelt wird. „Seit dem letzten Jahr arbeitet KURS unter neuem Vorzeichen. Durch ihren Vertrag haben Regierungspräsident Roters und die Industrie- und Handelskammern Aachen, Köln und Bonn im Februar 2003 Weichen für eine Institutionalisierung von KURS auf den Weg gebracht. Anbahnung, Begleitung und Betreuung der Lernpartnerschaften werden nun von den zwölf Schulämtern im Regierungsbezirk Köln über die KURS-Basisbüros organisiert und koordiniert.“ Mit Bettina Ismar und Maria Wulf-Hundeck haben engagierte Koordinatorinnen im Kreis Euskirchen die Aufgabe übernommen, Schulen und Unternehmen in Lernpartnerschaften zum gegenseitigen Nutzen zusammenzuführen.

Akteure aus dem kommunalen Umfeld kommentieren die neue Lernpartnerschaft sehr positiv und sichern ihre Unterstützung zu: Iris Schmitz, Struktur- und Wirtschaftsförderung, Leiterin der Stabsstelle 80, Kreisverwaltung Euskirchen, meint: „Zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt brauchen sowohl Schüler als auch Lehrer selbst mehr realistische Vorstellungen von den wirtschaftlichen Prozessen und den Anforderungen an die Arbeitsplätze. Mit dem Unternehmerforum bietet die Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen eine geeignete Plattform zur Begegnung zwischen Wirtschaft und Schulen und für Kooperationsanbahnung von Lernpartnerschaften.“

Ralf Sawatzki, Leiter der Agentur für Arbeit Euskirchen, geht auf die Unwägbarkeiten des Arbeitsmarktes ein. „Eine Berufsentscheidung hat heute nicht mehr für das ganze Leben Gültigkeit. Die Berufswahlprozesse unserer Schulabgänger in Richtung Ausbildung oder auch Studium unterliegen sich rasant entwickelnden Veränderungen sowohl bei den Berufsinhalten als auch bei den Anforderungsprofilen. Die Einbeziehung der Wirtschaft in die schulische Berufswahlvorbereitung ist daher von zentraler Bedeutung. Lehrer und Schuler profitieren von praxisnahen, fächerübergreifenden Elementen für den Unterricht. Betriebe können helfen, falschen Berufsperspektiven durch gezielte Projekte in den Klassen entgegen zu wirken.“ Teilweise verloren gegangene Grundfertigkeiten wie Pünktlichkeit, Ausdauer, Ordnungssinn und Teamfähigkeit könnten unter betrieblichem Einfluss für die berufliche Orientierung deutlich gemacht und gefördert werden.

Uwe Günther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Euskirchen, unterstreicht: „Die Kreishandwerkerschaft Euskirchen unterstützt Lernpartnerschaften als Teil der Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft. Auf lokaler Ebene finden diese Kontakte bereits mit großem Erfolg – für beide Seiten – statt. Der Abschluss eines Nachbarschaftsvertrages zwischen der Hauptschule Schleiden und dem Malerbetrieb von Malermeisterin Ute März ist der erste formelle Partnerschaftsvertrag zwischen einem Handwerksbetrieb und einer Schule im Kreis Euskirchen. Bisher wurden formelle Lernpartnerschaftsverträge eher zwischen Industriebetrieben und Schulen abgeschlossen. Der Austausch von Wissen und Erfahrungen über- und voneinander ist für die beiden Lernpartner von großem Nutzen, aber darüber hinaus auch für die gesamte Wirtschaft von besonderer Bedeutung.“

Heinz Gehlen, Geschäftsführer der IHK Aachen, begrüßt das Engagement des Schleidener Handwerksbetriebs März als einen wichtigen Beitrag im Hinblick auf die Entwicklung des Standortes: “Die Wirtschaft hat die sozialethische Verpflichtung, jungen Menschen Hilfestellung und Perspektive anzubieten. SchülerInnen und Schülern die Arbeitswelt näher zu bringen und den Zugang zur Wirtschaft zu öffnen, bevor sie ihren Schulabschluss erreicht haben, ist angesichts des häufig unzureichenden Wissensstandes von Bewerbern über moderne Ausbildungsberufe dringend erforderlich.“

Foto: Robert Swat

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